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Auf dem Weg zu Gott

Kythira


Margit und Georg waren auf Hochzeitsreise. Sie hatten eine schöne Hochzeit gehabt, in der griechisch-orthodoxen Kirche in der Wiener Innen­stadt und im griechischen Restaurant, das in derselben Gasse liegt. Die katholische Margit und der orthodoxe Georg hatten diese Art der Trauung gewählt. Als sie schon die Eheringe auf den Ringfingern hatten, hielten die Trauzeugen die Kronen über ihre Köpfe, sie tranken aus demselben Becher Wein und wurden mit aneinandergebundenen Händen rund um den Altar geführt.

Als sie beim Hochzeitsfest auf dem Tulbingerkogel unter herrlichen alten Bäumen saßen, war auf der Seite ein kleiner Tisch mit Hochzeitsgeschenken, darunter ein Kästchen mit der Beschriftung „Reise­schatulle“. Darinnen fanden sie viele Geldscheine von ihren Eltern, von Verwandten und Freunden. Sie strahlten und freuten sich aufs Verreisen.

Ihre Hochzeitsreise führte sie auf die griechische Insel Kythira, die Insel der Aphrodite. Die Liebes­göttin soll hier aus dem Meerschaum geboren worden und an Land gestiegen sein. In inniger Dankbarkeit dachten sie an den Tag ihrer Hochzeit zurück, als sie nun die Meerluft von Kythira, an einem Strand in der Nähe von Mylopotamos, einatmeten. Margit ließ die sanften Wellen ihre Füße umspülen und schwamm dann weit hinaus. Auf dem Rücken liegend ließ sie sich vom Meer an den Strand treiben. Bevor sie das Ufer erreichte, hatte sie ein intensives Erlebnis in ihrem Unterleib. Sie fühlte sich befruchtet. Die Empfindung war so deutlich, dass sie wünschte, sie würde nie enden. Als sie dann neben Georg in ihrem Strandstuhl lag, spürte sie es immer noch.


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