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| JETZT tanzen die regenwürmer aufwärts durch die rote erde |

221. Die roten Schuhe  -  29. März 2013


Joseph Ratzinger hatte als Papst Benedikt XVI. immer rote Schuhe getragen. Am Morgen nach seiner Wahl zum Papst Franziskus I. verließ Jorge Mario Bergoglio die Kirche Santa Maria Maggiore in weißem Ornat, aber mit schwarzen Schuhen. Als er ein paar Tage später feierlich in sein Amt eingeführt wurde, trug er ebenfalls schwarze Schuhe. Dabei waren für den neuen Papst drei Gewänder und drei Paar rote Schuhe in verschiedenen Größen vorbereitet, aber er rührte die roten Schuhe nicht an.


In der römisch-katholischen Kirche darf nur der Papst rote Schuhe tragen, sie gelten als ein Hinweis auf das Blut des gekreuzigten Jesus und auf das Blut der Märtyrer. In der Antike waren rote Schuhe dem römischen Kaiser als dem Pontifex maximus vorbehalten. Als die christliche Kirche Staatskirche wurde, übernahm der Bischof von Rom mit dem Titel die roten Schuhe. Nach einer anderen Quelle trugen im römischen Reich auch die Senatoren rote Schuhe, mit einer Sichel als Schmuck.


Im Märchen sind rote Schuhe den Frauen zugeordnet. Hans Christian Andersen hat ein gleichnamiges Märchen geschrieben, in dem ein Mädchen rote Schuhe bekommt, die sie dazu zwingen, immerfort zu tanzen. In ihrem Buch "Die Wolfsfrau" beschreibt Clarissa Pinkola Estés anhand dieses Märchens, wie leicht seelisch ausgehungerte Frauen in Fallen tappen, die sie in ein zwanghaftes Verhalten führen können. In einem modernen Märchen findet eine Frau rote Schuhe, mit denen sie laufen kann, als hätten ihre Füße Flügel, um ihrer Tochter, der es im Kindbett nicht gut geht, Hilfe zu bringen.


"Rote Schuhe stehen für die Aufgabe der Selbstdisziplin, allgemeiner für die Überantwortung des Individuums an fremde Mächte." (Ortwin Pelc, "Mythen der Vergangenheit", S. 135.)


"Rote Schuhe meinen in unserer heutigen Wahrnehmung beinahe ausschließlich die roten Schuhe von Frauen als erotisches Zeichen." (Ortwin Pelc, "Mythen der Vergangenheit", S. 131.)


Die Huren in Wismar mussten im Mittelalter rote Schuhe tragen. (Nach: Matthias Schulz, "Mythos Mittelalter", Der Spiegel 44/2005.)


Jorge Mario Bergoglio waren vermutlich nicht alle Implikationen der roten Schuhe bewusst. Er weigerte sich aus Schlichtheit, die roten Schuhe zu tragen. Sie abzulegen, war in jeder Hinsicht eine gute Idee.



375. Liebe verbreiten  -  26. Juli 2016


Unlängst vor dem Einschlafen fragte ich mich: Angesichts der Nachrichten von Gewalttätigkeiten und Kriegen, die uns täglich erreichen, angesichts der verfehlten Politik und der zunehmenden Zerstörung der Natur, was können wir tun? Als Antwort vernahm ich: Überall, wo wir gehen und stehen, Liebe verbreiten. Es gibt unendlich viele Wege, die letzten Endes die Facetten EINES Weges sind.


Das ist für mich ein starker Impuls, auf dem Weg, den ich ohnehin gehe, noch konkreter zu üben, in allen Situationen, in allen Begegnungen mit Menschen, Tieren, Pflanzen, mit dem Wasser und dem Land. Wenn ich nicht auf meine Reaktion schaue, sondern von meinem Innersten her auf das Innerste anderer Wesen, so eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Kein Mensch, der Gedankenloses oder Böses tut, ist da ausgeschlossen. Es gibt offensichtlich böse Taten, wie Amokläufe, Selbstmordanschläge, Lynchjustiz mittels Drohnen und vieles, was in Kriegen geschieht. Direkt betroffen war ich da noch nie. Es gibt aber auch versteckt böse Taten wie politische Entscheidungen.


Es geht um das Fühlen und Handeln im Alltag, in der Familie, im Freundeskreis, beim Einkaufen und auch sonst bei jeder Begegnung, auch dann, wenn man Gehässigkeiten ausgesetzt ist. Es geht um das immer bessere Erspüren und Weiterführen der eigenen Lebensaufgabe, die jeder und jede von uns hat. Wir sind auf unseren Wegen nicht allein! Die Geistkraft des Unendlichen ist bereit, sich uns zu schenken. Darüber hinaus sind Engel und Naturgeister jederzeit bereit, uns zu helfen. Es gibt so viele Möglichkeiten, mit denen wir gar nicht rechnen, wenn wir abgestumpft sind.


Vorgestern habe ich das folgende kleine Gedicht geschrieben:


krieg und frieden


frieden

ist nicht das gegenstück zu krieg

frieden

ist eine qualität für sich

Himmel und Erde