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| JETZT tanzen die regenwürmer aufwärts durch die rote erde |

Zeichen des Horrors


Einleitung


Kabul, 20. September 2011: Zwei Männer besuchen den Ex-Präsidenten und Chef des Hohen Friedensrats Burhanuddin Rabbani in seinem Haus. Einer von ihnen gibt sich als Talibanführer aus. Er hat in seinem Turban einen Sprengsatz versteckt. Er zündet den Spreng­satz. Rabbani, die beiden Männer und vier Sicherheitsleute werden getötet. In der Tageszeitung „Der Standard“ vom 22. 9. 2011 schrieb Christine Möllhoff: „Wer immer hinter dem Mord steht, hatte ein klares Ziel vor Augen: das Land zu spalten, neuen Hass zwischen Tadschiken und Paschtunen zu säen und die Chancen auf Frieden zu torpedieren.“


Sumatra, Mitte August 2011: 700 Soldaten der Polizeibrigade Brimob und Sicherheitskräfte des Wilmar-Konzerns stürmen das kleine Dorf Sungai Beruang. Sie kommen mit Gewehren und Bulldozern. Innerhalb weniger Minuten zerstören und plündern sie alles. Sie schießen auch mit scharfer Munition auf die Menschen. In Panik fliehen hundert Männer, Frauen und Kinder  in den Wald. Es sind Indigene vom Volk der Suku Anak Dalam, die seit vielen Generationen hier zu Hause sind. „Palmölkonzerne haben diesen Menschen ihr traditionell genutztes Land und damit ihre Lebensgrundlage geraubt, es kahl geschlagen und anschließend in profitable Plantagen verwandelt. Das Dorf Sungai Beruang ist heute komplett von Palmöl-Plantagen eingeschlossen.“ Wilmar ist ein wichtiger Palmöl-Lieferant von Unilever. Unilever versucht, sich mit dem Palmöl-Siegel RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) reinzuwaschen. Die Industrie hat bei dieser Organisation die Mehrheit. „Unilever und Wilmar-Manager sind im RSPO-Vorstand. Damit zertifiziert sich die Industrie dort gewisser­maßen selbst. Deshalb erhalten selbst Konzerne wie Wilmar, die vor Gewalt nicht zurückschrecken, das RSPO-Siegel.“ (Aus einer Pressemitteilung von Watch Indonesia!, Rettet den Regenwald e.V. und Robin Wood, 17. 8. 2011.)


Was haben diese beiden Ereignisse gemeinsam? Gefühl­losigkeit und automatischen Gehorsam gegenüber skrupel­losen Befehlen. Ob Menschen nun als Gewalttäter unter­wegs sind oder in Vorstandsetagen sitzen – für alle gilt das Gleiche: Wenn sie sich selbst nicht wirklich spüren, andere Menschen nicht wirklich spüren, die Natur nicht wirklich spüren, lieber skrupellose Befehle geben bzw. solchen gehorchen als für andere Wesen einzustehen, dann gewinnt etwas die Oberhand, das zu zerstörerischen Taten führt.



Zeichen der Hoffnung


Einleitung


„Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) ist das jährliche Kalenderdatum, an dem die von der Menschheit verbrauchten Ressourcen die Fähigkeit der Erde überschreiten, die Ressourcen in diesem Jahr zu erzeugen. Es wird berechnet, indem man die Weltbiokapazität (die Anzahl der natürlichen Ressourcen, die die Erde in einem Jahr hervorbringt) durch den ökologischen Weltfußabdruck (den Verbrauch der Menschheit an natürlichen Ressourcen der Erde in diesem Jahr) dividiert und das Ergebnis mit 365, der Anzahl von Tagen in einem Jahr, multipliziert.“ (Aus: englische Wikipedia, Stichwort „Earth Overshoot Day“, übersetzt von Werner Krotz.)


Man nimmt an, dass die Überschreitung zum ersten Mal im Jahr 1986 eintrat. Seit 1987 wird der Welterschöpfungstag jährlich berechnet und das Datum wird im Mittel jedes Jahr früher erreicht. Im Jahr 2012 fällt es auf den 22. August. Wir leben immer stärker auf Kosten der Erde.


Der Welterschöpfungstag fiel 2012 für Österreich bereits auf den 3. Mai, für die USA auf den 28. März. Der Lebensstil der Österreicher verbraucht also derzeit drei Planeten pro Jahr, die US-Amerikaner verbrauchen vier Planeten. (Nach: APA.)


Nach der finanziellen Kreditkrise von 2008 begann man, auch von der ökologischen Kreditkrise zu sprechen, um klarzumachen, wie gefährlich das permanente Überziehen des begrenzten Kontos natürlicher Ressourcen ist. Auch die ökologische Kreditblase könnte platzen, mit katastrophalen Folgen.


Die Zeichen der Hoffnung sind Initiativen, um das zu ver­hindern. Liebende Fürsorge für alles, was existiert, muss über die bloße Verhinderung des ökologischen Kollaps hinausgehen. Sie muss an Land und im Meer Erholungs­räume schaffen, wo Pflanzen und Tiere sich so entwickeln können, wie es ihren Arten entspricht. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge.

Das Ende der Paradigmen